Was sagt uns diese Schlussfolgerung: Als Vegetarier wären wir keine Menschen geworden


Leider wird nicht nur in der Ökonomie argumentiert, wie es passt. Wobei ich gern konstatiere, dass sich Eckhard Fuhr mit seinem Artikel in der Zeitung Die Welt viel Mühe gegeben hat. Er berichtet zunächst ausführlich und durchaus gut geschrieben über die Bedeutung des Fleisch als Nahrungsmittel für die evolutionäre Entwicklung des Menschens. Meiner Kenntnis nach auch stimmig. Und dann dies – mehr oder weniger abrupt – am Ende des Artikels:

„Fleischekel ist heute ein Ausweis von Vornehmheit.“

“ Nur bei den Fleischverächtern gibt es noch den sozialen Modus des verächtlich auf alle anderen Hinabschauens.

Da werden Vegatariern, Teilzeitvegetariern, Veganer und Teilzeitveganer pauschal soziale Verhaltensweisen unterstellt, die so meiner Kenntnis nach nicht zutreffen.

Wäre Fleischekel eine Ausweis von Vornehmheit, müssten dann nicht alle Speisekarten der besternten Toplokale anders aussehen? Zudem trifft man Nichtfleischesser nicht nur in Szenelagen der In-Städte, sondern auch auf dem platten Land, z.B. in Nordniedersachsen. (Es ist zwar schön hier, die Menschen sind nett, aber vornehm ….?)

Ürigens sollte der absolut nicht wünschenswerte „Modus des verächtlich auf alle anderen Hinabschauens“ nicht auf die Gruppe der Vegatarierer & Co beschränkt werden. Wäre es so, so hätten wir ansonsten – denn so hoch ist der Anteil der Vegatarier an der Gesamtzahl der Bundesbürger nicht -eine schöne tolerante und in jeder Hinsicht l(i)ebenswerte Gesellschaft.

Nun ja, Herr Fuhr hat seine Ansicht, und ich habe meine.

Ich verstehe den Aufbau seines Artikels so, dass er aus dem „Erfolg des Menschens“ in der Geschichte der Evolution schliesst, dass wir weiter dem Fleischessen fröhnen sollten. Denn schliesslich habe uns diese Ernährungsweise dahin gebracht, wo wir heute stehen.

Möchte da etwa jemand die Evolution anhalten, indem er sagt, weiter so wie bisher?

Evolution ist etwas dynamisches. Aber sie ist nicht linear dynamisch, wie die Wirtschaft und Finanzwelt es übrigens auch nicht ist. In einem solchen System aber verspricht „ein weiter so“ nicht zwangsläufig Erfolg. Die unterschwellige Logik von der Evolution hin zur vermeintlichen Vorteilhaftigkeit des Fleischessens ist nicht ganz stimmig. Ex ante gab es den Vorteil, für die Zukunft bleibt es unbewiesen.

Meine Analogie zur Finanzwelt ist argumentativ nicht ganz fair, ich weiß.., aber im Vergleich zu dem „geschickten“ Aufbau des Zeitungsartikels doch vertretbar.

Anmerkung: Ich selbst esse zwar weit überwiegend, aber nicht ausschließlich vegan. Sollte mich jemand deshalb verurteilen, hätte nicht ich Recht, sondern Herr Fuhr 🙂


Quelle Die Welt: Als Vegetarier wären wir keine Menschen geworden

9 Kommentare zu „Was sagt uns diese Schlussfolgerung: Als Vegetarier wären wir keine Menschen geworden“

  1. Erst mal fröhliche Weihnachten und vielen Dank für das follow auf meinem Blog. An Deinem Beitrag hat mir besonders gut das Argument gefallen, mit dem du die Frage stellst, ob der Erfolg der Evolution darin liegen kann, dass man sie anhält.

    Für mich persönlich ist es keine Glaubensfrage, ob man Fleisch ist oder nicht, sondern eine Frage des Geschmacks.

    Wir können dem Kreislauf der Natur ohnehin nicht entkommen. Auch wenn wir lebensnotwendiges Wasser trinken, nehmen wir (Mikro)Organismen zu uns.

    Wenn wir sterben fressen uns die Würmer und wenn die wieder zu Erde geworden sind, wächst daraus ein Baum. Es gibt kein Oben und kein Unten in der Nahrungskette. Die Nahrungskette liegt uns um den Hals. Anfang und Ende sind miteinander verknüpft.

    Ich sehe das Problem eher in der Zeitung selbst, nicht darin, worüber sie schreibt. Deshalb habe ich mich persönlich dafür entschieden megan zu leben.

    Was das heißt, hat mein alter ego Georg, seinem Neffen Fritzchen einmal so erklärt.

    1. Gern geschehen: Das Blog folgen 🙂 und natürlich jetzt fast zum Ende auch meine besten Festwünsche,
      Ein generelles Dogma mache ich aus der Art der Ernährung nicht. Schon aber eher „ein Dogma“, wenn die Ernährung auf Massentierhaltung und der dann unreflektierten Ernährung beruht. Einfach weil es nicht sein muss.
      Der zweite Aspekt meines Artikels war eine Kritik an Argumentationsketten und deren unvollständige Logik.
      Vielen Dank für das Video, steckt bestimmt viel Arbeit dahinter.

      1. Eigentlich schaue ich mir Videos im Netz nicht gern an. Aber Dein Video ist gut gemacht. Bild, Stimme, Ton – Regie: alles passt.
        Clever: „Meganer“ – beim googlen findet man auf Anhieb nur Deine Beiträge.
        Inhaltlich: So ein wenig klingt durch alle Medien -PR … – haben sich verschworen. 1. Tue ich mich grundsätzlich schwer mit Verschwörungstheorien. So viel zielgerichtete Intelligenz erwarte ich einfach nicht 🙂 2. Medien bringen, dass was Menschen hören, sehen wollen. Muss dann Kritik nicht tiefer ansetzen. Oder muss man dies dann nicht in gewissem Maße akzeptieren, wenn man Wahlfreiheit der Menschen akzeptiert.
        Na gut … zum Glück „muss“ man immer noch relativ wenig.
        Als: Gefallen? In mancher Hinsicht ja, in anderer weniger. Gut aber auf jeden Fall, weil anregend. Beste Grüße

      2. Wenn man etwas tut, muss einem das durchaus nicht bewusst sein, das behaupte ich auch gar nicht von den Medien. Die Menschen funktionieren um so besser, je weniger sie wissen und je mehr sie glauben, das kann man wissen, wenn man es wissen will. Wenn man es weiß kann man es auch bewust einsetzen, aber das tun die wenigsten. In diesem Zusammenhang empfehle ich immer den Großinquisitor von Dostojewski, eine unglaublich scharfe Analyse dessen, was ist. http://www.menschenkunde.com/pdf/texte/literatur/grossinquisitor.pdf

  2. Wieder ein sehr treffend formulierter Beitrag!
    Diese Argumentation, dass die Evolution auf dem Verzehr von Fleisch begründet ist, kann ich echt nicht mehr hören. Wer hat sich dieser Story ausgedacht, die immer wieder aufgegriffen wird? Bislang konnte ich hierzu noch keine wissenschaftliche und Begründung ausfindig machen. Und was das dann mit veganer Ernährung in der heutigen Zeit zu tun hat, habe ich auch noch nicht verstanden.
    Viele Grüße, Ingrid

    1. Wissenschaftliche Begründung? Liebe Ingrid, ich weiß es nicht, denke aber schon, dass der Fleischverzehr etwas mit der Entwicklung des Menschens, so wie er ist, zu tun hat. In dieser Entwicklung war aber ja nicht unbedingt alles positiv. Und dann fehlt in dem Erklärungsansatz auch der Beweis, dass ohne Fleischessen die Entwicklung des Menschen unmöglich wäre.Ich glaube, heute (!) ist das Fleischessen auf jeden Fall nicht mehr notwendig.
      Wir sollten aus der Evolution eher lernen, dass Tiere dem Menschen viel ähnlicher sind, als man in der Vergangenheit wußte. Insoweit kann die Evolutionstheorie eher als ein Argument für veganes Leben gelten.

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