Freiheit! Und Freude beim Essen


Ich schaue kaum Fernsehen und muss daher auf Zeitungsmeldungen zurückgreifen, wenn ich mich einmal über die „ernsten und weltbewegenden“ Dinge des täglichen Lebens informieren möchte. Deren gibt es überreichlich, so dass die Wahrnehmung  subjektiv und selektiv ist. Eine allgemeine und für mich immer geltende Voraussetzung etwas wahrzunehmen sind Begriffe wie „frei“, „Regulierung“ oder ähnliche.  Aber es muss natürlich nicht immer abstrakt sein. Essen ist auch eines meiner elementaren Themen. Und das war es  eigentlich lebenslang. Gleich, ob ich in schon sehr lange zurückliegenden Zeiten mit meiner Frau begeistert Rezepte von Siebeck nachgekocht habe oder mit einem sechs Monate per Brief vorab reservierten Tisch bei Haeberlin ein grandioses Menü genossen habe (es gab mal Zeiten, in denen es noch keine Mails gab und Telefonate noch als unverbindlich galten). Will sagen, Genuss beim Essen war und ist mir – zum Glück auch meiner Frau – wichtig.

Also die Begriffe „frei“, „Regulierung“ und „Essen“ können durchaus mein Interesse wecken. Und so las ich neulich in der Zeitschrift Die Welt in einem Bericht über die Talkshow von Sandra Maischberger  zum Thema: „Kein Salz, kein Brot, keine Milch – Zu viel Stress ums Essen?“ folgenden Satz:

„JaJa, was für ein Land. Eins, das freie Entscheidungen ohnehin lieber als etwas betrachtet, was man wegregulieren kann. Hier wollen Gurus wie Karven, Hildmann und Lauterbach den Deutschen noch die letzte Freude vom Teller nehmen;… „(1)

Ein für mich zwiespältiges Zitat. Der erste Satz erhält meine volle Zustimmung. Schwieriger ist es mit dem zweiten Satz. Lauterbach sagt mir schon einmal nicht so zu. Hildmann kenne ich etwas durch meine Frau. Bei ihm kommt mein ökonomisches Herz durch, seinen Erfolg finde ich bewunderswert. Und wahrscheinlich hat er seinen monetären Erfolg mehr verdient als … (ach ich will hier doch nicht zum Finanzsektor schreiben 🙂 )

Lassen wir also die Bewertung der genannten Personen beiseite. Der Redakteur der Welt konnten sich eine subtile indirekte Bewertung allerdings nicht verkneifen. Dabei hat der Redakteur zugleich seine verkäuferischen Talente offenbart. Zitat: „Der Guru fährt Porsche“

Mein Deutschlehrer hätte mit Recht gesagt: Am Thema vorbei. Aber in verkäuferischer Hinsicht ein „gelungener“ Einwurf. Und, ja, auch einen Artikel muss man verkaufen.

Porsche! Darauf muss der Leser doch abfahren. Nimmt der Hildmann uns doch nicht nur unsere Freude am saftigen Braten, sondern auch noch an der Butterstulle. Aber: Posche fahren … Da muss man doch unserer Kanzlerin zustimmen, die allerdings in einem anderen Zusammenhang sagte: „Das geht gar nicht“

Sollen wir uns also unsere freie Entscheidung bewahren und uns im Sinne der Wertschätzung von Freiheit weiterhin am Schnitzel erfreuen? Oder sollen wir uns den „Regulierungen“ zum Beispiel der Veganer beugen?

Das Schwein – das Schnitzel war einmal ein Teil von ihm – würde nicht verstehen, was Fleisch essen mit Freiheit zu tun hat.

Ich will aber eigentlich nicht auf dieser Ebene diskutieren, denn obgleich ich ein großer Tierliebhaber bin und meine Frau überzeugte Veganerin ist, esse ich zuweilen in kleinen Mengen auch nicht vegane Lebensmittel. Allerdings zunehmend weniger ….

Der Grund liegt auch, aber nicht nur darin, dass ich glaube, dass wir Menschen der Gattung Tiere möglicherweise näher stehen, als gemeinhin gemeint wird. Ein wesentlicher Grund ist sehr egoistisch und liegt in der Genussfreude am Essen: Veganes Essen kann wunderbar schmecken.

Allerdings, um diese Erfahrung zu machen, muss man „frei“ sein. Frei sein von Vorurteilen und es einfach probieren. Wie übrigens einige nicht vegane Gäste des ersten privaten Dinners für Freunde des Blogs meiner Frau homesteadnotes.

HSTNSie waren alle positiv überrascht von der Geschmackswelt dieses Menüs. Ebenso wie ich, der auch Haeberlin und Siebeck schätzte.

Und hier komme ich zu einem anderen Aspekt der Freiheit: Freiheit ist nicht gleich bedeutend mit dem Streben, einen Zustand statisch zu erhalten. Beim Essen und in vielen anderen Bereichen sollten wir immer daran denken, dass auch Wandel ein Aspekt der Freiheit ist. Weil wir jetzt sehr schnell wieder in den Bereich der Ökonomie gelangen, mache ich dann mal hier Schluss.

(1) Die Welt: Falsche Gurus rauben uns die Lust am Essen

2 Kommentare zu „Freiheit! Und Freude beim Essen“

  1. Ein sehr schöner Satz, dem ich voll zustimme: „Das Schwein würde nicht verstehen, was Schnitzel essen mit Freiheit zu tun hat.“
    Ich habe das Gefühl, dass mein Speiseplan eher vielfältiger geworden ist – man probiert viel Neues aus und verlässt die gewohnten (Rezept-) Pfade. Und das alles nicht auf Kosten anderer Lebewesen. Das ist tatsächlich Freiheit.
    Gruß, Ingrid

    1. Richtig: „gewohnte Pfade verlassen“ Das ist übrigens ein echtes lebensnahes Beispiel. Man denke dabei zum Beispiel an einen Waldsparziergang. Und plötzlich verlässt man den Weg …… Einige Menschen haben „Angst“ davor. Man könnte ja die Orientierung verlieren … Das ist etwas zu kurz gedacht, denn man gewinnt neue Sichtweisen und kann sich neu orientieren
      Tja und so kann es immerfort weitergehen
      Grüße, Wolfgang

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