Degrowth als Ende der Ästhetik?


Die Möglichkeiten einer Postwachstumsgesellschaft wurden auf der degrowth conference 2014 in Leipzig diskutiert. Positiv anzumerken ist, dass es sich um eine offene Diskussion handelte, die möglichst viele Aspekte berücksichtigte. Über einen sehr lebensnahen Aspekt berichtete die TAZ.

Weil ein spezielles Thema Bedeutung für jeden von uns eine im täglichen Leben sehr praktische Bedeutung hat, sollten wir hier einmal genauer hinschauen . Es geht um Mode und die Kleidung in unserem täglichen Leben.

Kleidung aus wiederverwertbarem Material (hier Industrieabfälle) ist meist als solche erkennbar, wie die TAZ festhält. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, denn ob man eine solche Kleidung tragen möchte, ist Geschmackssache. Problematisch wird es, wenn in diesem Zusammenhang das Thema Ästhetik angesprochen wird.

Zwei Zitate aus der TAZ regen zum Nachdenken an (1):

„Ebenso ist ökologisch bewusste Kleidung meist sofort als solche erkennbar.Im Grunde ist das praktisch, schließlich kommuniziert die Ästhetik gleich dahinterstehende Einstellungen und Absichten mit.“

„Das zeitlose Erscheinungsbild entgeht einem weiteren typischen Problem der Wachstumsgesellschaft: der Verschwendung. Ein schlichtes weißes Hemd ist unabhängig von allen Trends, es muss nicht ersetzt werden …“

Wenn es positiv hervorgehoben wird, dass ein schlichtes weißes Hemd unabhängig von allen Trends ist, so kann dies leicht für eine Postwachstumsgesellschaft implizieren, dass in dieser Gesellschaft mit einer speziellen Ästhetik keine weiteren neuen Trends gewünscht oder notwendig sind. Das Ende der Trends hieße leicht das Ende der Entwicklungen von Ästhetik.

Zeitlos, also keine Veränderung, bedeutet Stillstand. Ist das wünschenswert?

Stellen wir uns einmal vor, die Postwachstumsgesellschaft wäre früher eingeführt, erfunden oder implementiert worden. Je nachdem wann dieser Zeitpunkt gewesen wäre, hätte sich beispielsweise der Jugendstil nicht entwickeln können.

Ich persönlich muss sagen, uns wäre einiges entgangen.

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Gedanken zu einer Postwachstumsgesellschaft sind positiv. Das es solche Gedanken gibt, zeigt, dass es möglich ist, Wandel zu diskutieren und eventuell auch herbeizuführen. Wandel hat bisher im großen Maßstab gesehen zu vielen positiven (natürlich auch einigen negativen) Veränderungen für uns Menschen geführt. Einen Wandel anzustreben, der keine weiteren Veränderungen zulässt, erscheint mr negativ. Materielles Wachstum bedürfen einige Gesellschaften wahrscheinlich nicht mehr zwingend.  Aber hieraus eine Postwachstum-Ästhetik abzuleiten ist gefährlich, zum Beispiel in Hinblick auf künstlerische Freiheit, und wahrscheinlich auch auf viele andere Formen der Freiheit.

(1) TAZ: Mode auf der Degrowth Konferenz

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