Auf der Suche nach schönen Sätzen, etwas anderes gefunden


Romane – und sehr selten Kurzgeschichten – lese ich weniger wegen eines Handlungsstrangs, sondern vielmehr um „schöne Sätze“ zu finden. „Schöne Satze“ ist sicherlich keine exakte Aussage und diese beiden Worte können viel enthalten. Auf eine nähere Interpretation verzichte ich hier aber. Der Grund ist einfach: der Verzicht bewahrt mir zunächst einmal Freiheit, in Zukunft hier noch viele Sätze aus Romanen zu zitieren.

„Der Name der Welt“ ist der Titel des Romans von Denis Johnson den ich gerade lese. Das Buch habe ich mir zugelegt, weil ich vor Jahren in der Sammlung von Denis Johnsons Erzählungen „Jesus Sohn“ wirklich „schöne“ Sätze gefunden hatten, die für sich allein stehen können. In letzter Zeit habe ich auf anderen Blogs relativ viel zur Wirtschaft und Ökonomie geschrieben , und war es etwas leid bin, mich überwiegend mit einseitigen, effekthaschenden Aussagen zu ökonomischen Fragen zu beschäftigen. Ich brauchte also Entspannung im Kopf und „schöne Sätze“.

Die Hälfte des Buches „Der Name der Welt“ musste ich lesen, bis ich einen ästhetisch zwar nicht absolut „schönen“ Satz, aber zumindest interessanten und bemerkenswerten Satz fand. (Die Suche nach Schönheit war bisher also hier vergeblich, aber wer sucht findet meist zumindest irgendetwas. Naja, und „interessant“ kann auch „schön“ sein):

„…das ich von einem Kunstwerk zuallererst fordere, dass sein Programm – ist das das passende Wort?- mich selbst nicht einschließt. Ich will nicht, dass seine Intentionen durch den Versuch in Zweifel gezogen werden, mir irgendetwas zu vermitteln, ja mich überhaupt zu berücksichtigen.“ (1)

Kunst ist für mich Kunst, wenn sie ein Versuch ist, möglichst wenig Bezug zur „realen“ Welt zu haben. (Es gibt natürlich auch andere Kunst, wie politische Kunst, nur interessiert mich diese Kunst – nicht die Politik- weniger). Warum ist mir dies wichtig?

Menschen tendieren dazu, die reale Welt zu erklären. Zwar nicht immer, nicht permanent bewusst, möglicherweise aber sehr häufig unbewusst. Und wir erklären, wenn auch nicht immer rational, so doch sehr häufig logisch ( … wenn… dann). Machen wir von hier aus einen Sprung in die Naturwissenschaften, Mathematik und in Teile der Philosophie, die durch Logik und Rationalität gekennzeichnet sind (2), so ist immer wieder festzustellen, dass Antworten offen bleiben, oder sich sinnvolle Antworten immer nur unter einschränkenden Prämissen geben. In diesem Sinne ist die reale Welt eine eingescränkte Welt.

Weil es nun eine Kunst geben kann, die lösgelöst von einer so beschriebenen „realen“ Welt ist, erweitert Kunst die Welt. Sie tut dies um so besser, je weniger Bezug sie zur „realen“ Welt hat.

Jetzt werde ich einmal weiterlesen. Möglicherweise findet  sich auch noch ein „schöner“ Satz, und nicht nur ein interessanter Satz.


 

(1) Denis Johnson, Der Name der Welt, EBook, Location 1086

(2) Merken Sie etwas… ich lasse Teile der Äußerungen zur Ökonomie vorsichtshalberaußen vor 🙂 . Wobei sich diese Anmerkungen mehr auf einige Äußerungen von Ökonomen als auf die Ökonomie als solches bezieht.

 

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