Wie konnten wir uns nur so schnell entwickeln? Weil wir Sprachen haben …


Ich möchte die Sprache ein wenig ins Spiel bringen. Von welchem „Spiel“ ich rede? Nun von keinem Spiel im wörtlichen Sinne, sondern eher von einer oberflächlich benutzten Analogie. Worum geht es also? Um uns Menschen, unsere Entwicklung und unsere Einordnung in die Welt.

Jürgen Habermas und der Kulturantropologe Michael Tomasello führten Anfang Juni eine Diskussion an der Uni Leipzig. Hierüber berichtet „Die Zeit“ in der Ausgabe vom 18.6.2014 (1) Daraus einige Positionen, Aussagen:

Tomasello:

Obwohl ein begeisteter Primatenforschen, weist er darauf hin, dass das Alleinstellungsmermal des Menschen gegenüber Affen nicht ausreichend gewürdigt wird: Affenkinder bleiben egozentrisch, während Menschenkinder bereits mit 9 Monaten eine „gemeinsame Wahrnehmung“ mit der Mutter zusammen möglich ist.

Menschen erzeugen eine symbolische Welt. Die Sprache dient dazu sich in andere hineinzuversetzen und gemeinsame Ziele zu entwickeln.

Habermas:

Stimmt insoweit überein und hält jene für „suspekt, die den Menschen ausschließlich als ein Naturprodukt verstehen,….,als eine mit Sprache ausgestatte Puppe, die an den Fäden der Evolution baumelt …“

Habermas und Tomasello:

Bezweifeln, dass das Entwicklungstempo der Menschen nur mit evolutionärer Anpassung und den egoitischen Genen zu erklären sei, wie Richard Dawkins es versucht.

Die Erklärung für die schnelle Entwicklung findet sich dagegen in der Kultur, hier im engeren Sinne in der Weitergabe des Wissens (über die Sprache) an die folgenden Generationen.

Habermas:

In den Erklärungsansätzen zur Entwicklung der Menschen müsse die Einflussmacht der Natur weniger Raum einnehmen und die Bedeutung der „welterzeugenden Leistung der menschlichen Sprache“ stärker berücksichtigt werden.


Warum ich dies schreibe?

In diesem noch jungem Blog findet sich immer wieder das Thema Evolution. Ich finde die Erklärungsansätze der Evolutionstheorie faszinierend – gar nicht so unüblich für einen Volkswirt wie mich – weil es auch in der neueren Volkswirtschaftslehre Erklärungsansätze und Erklärungsversuche  gibt, die sich an Erkenntnissen der Evolutionstheorie anlehnen. Aber ich will in diesem Blog nicht über Ökonomie schreiben — damit also jetzt genug.

Also: Ich finde die Evolutionstheorie ebenso wie andere grundlegende Wissenschaften, wie Teile der Physik und Teile der Mathematik einfach deshalb interessant, weil ich mich -locker gesagt- frage, warum ich und all die anderen hier sind. Dabei gehe ich inzwischen davon aus, dass ich wohl keine Antwort finden werde, die meinen Erwartungen genügt. Dennoch, man darf sich aber umschauen. Und in einer komplexen Welt bieten abstrakte und theoretische Ansätze einfach Orientierung.

Die Welt ist aber ncht nur komplex sondern auch sehr vielfältig und daher möchte ich möglichst wenig Aspekte aus dem Blick verlieren. Und Sprache ist ein wesentlicher Aspekt. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass sich der von mir bewunderte Douglas Hofstedter gemeinsam mit Emmanuell Sander in seinem neuesten Buch „Die Analogie- Das Herzen des Denkens“ jetzt indirekt mit diesem Thema beschäftigt. Der eigentliche Schwerpunkt seines Buches besteht zwar, wie der Titel sagt, darin, zu erklären, wie Analogien unser Denken bestimmen. Aber Analogien werden nun einmal mit Worten gebildet und Sprache besteht aus Worten. Wenn Tomasello also feststellt:

Menschen erzeugen eine symbolische Welt. Die Sprache dient dazu sich in andere hineinzuversetzen und gemeinsame Ziele zu entwickeln.

Dann ergänzt Hofstedter:

„Die Art und Weise, wie wir die Welt mit Wörtern und Wortkombinationen aufteilen, scheint uns die richtige Art zu sein, das Universum zu sehen …“ (2)

 


(1) Ich muss mich schon wieder auf eine Printausgabe beziehen, weil zumindest aktuell kein Link auf den Artikel möglich ist.

(2) Douglas Hofstedter, Emmanuell Sander: Die Analogie: Das Herz des Denkens , Ebook Page 111 Location 2352, in Deutsch 2014

 

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